Planning Poker: Ablauf, Karten und Tipps für agile Teams

Philipp Steubel – PortraitPhilipp Steubel
8. Mai 2026
6 Lesezeit (Minuten)
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Planning Poker: Die All-in-Methode zur Agile-Aufwandsschätzung – Artikel-Bannerbild
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Zusammenfassung

Planning Poker wird angewendet, um den Aufwand von Aufgaben einzuschätzen. Dabei können die Teilnehmer mithilfe einer Spielkarte eine Schätzung abgeben, welche im Anschluss detailliert besprochen wird. Alles Wichtige über den Ablauf von Planning Poker und dessen Vorteile erfahren Sie hier.

Update: Im neuen Update haben wir die Inhalte dieses Artikels aktualisiert!

Im agilen Projektmanagement gibt es viele Faktoren, die für ein erfolgreiches Projekt entscheidend sind. Dazu gehört unter anderem ein gewisses Maß an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Ein weiterer, sehr wichtiger Bestandteil, ist die präzise und realistische Schätzung für den Zeitaufwand von Aufgaben.

Eine kreative Methode, mit der Sie und Ihr Team spielerisch den Aufwand von Aufgaben einschätzen können, ist Planning Poker. Diese Technik kombiniert spielerische Elemente mit einer strukturierten Diskussion. Dadurch wird nicht nur eine offene Kommunikation gefördert, es schärft auch das Verständnis für die Anforderungen von Aufgaben.

In diesem Artikel erfahren Sie alles Wissenswerte zum Thema Planning Poker. Wir zeigen Ihnen, wie Sie diese Methode in Ihrem Projekt umsetzen können und welche Vorteile sich dadurch ergeben.

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Was ist Planning Poker?

Planning Poker ist eine agile Schätztechnik, bei der Teammitglieder den Aufwand von Aufgaben mithilfe nummerierter Karten individuell einschätzen. Jeder Teilnehmer wählt verdeckt eine Karte, die den geschätzten Aufwand in Story Points repräsentiert.

Anschließend werden die Schätzungen verglichen und diskutiert, bis sich das Team auf einen gemeinsamen Wert einigt.

Planning Poker (auf Englisch) ist vielen auch unter dem Begriff Scrum Poker bekannt. Denn diese Technik findet ebenfalls Anwendung im Sprint Planning in der Scrum-Methode. Dabei wird der Backlog zur Aufwandsschätzung herangezogen. Auch in anderen Projektmanagement-Methoden wird das Prinzip angewendet, wie zum Beispiel im Extreme Programming.

Planning Poker wird vor allem in der Softwareentwicklung und bei agilen Teams eingesetzt, findet aber auch in anderen Branchen Anwendung.

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Wer hat Planning Poker erfunden?

Die Methode "Planning Poker" wird häufig als Alternative zum "Team Estimation Game" oder "Magic Estimation" verwendet. Sie wurde im Jahr 2002 von James Grenning, einem der Autoren des "Agile Manifesto", erfunden. Sie stellt eine Variante der Wideband Delphi-Methode dar.

Bekannt wurde die agile Methode aber erst drei Jahre später, als sie im Buch "Agile Estimating and Planning" von Mike Cohn im Jahr 2005 erwähnt wurde. Seither erfreut sich diese Methode großer Beliebtheit. Denn sie verbindet eine klare Kommunikation mit einer spielerischen Zusammenarbeit.

Wie sieht ein Kartenset im Planning Poker aus?

Für eine erfolgreiche Anwendung ist ein gutes Verständnis der Karten und deren Bedeutung wichtig.

Das Planning Poker Kartenset besteht in der Regeln aus 52 Karten. Dabei erhält jeder Teilnehmer genau 13 Karten. Somit reicht ein Kartenset genau für vier Teilnehmer aus. Wenn Sie Planning Poker mit einem größeren Team durchführen möchten, benötigen Sie dementsprechend mehr Kartensets.

Die ersten 11 Karten

Die ersten Karten zeigen einen Zahlenwert. Diese haben jedoch keine normale Reihenfolge, wie etwa 1,2,3 und 4. Stattdessen wird im Planning Poker die sogenannte Fibonacci-Folge verwendet. Die gängigsten Skalen im Überblick:

Skala

Werte

Einsatzbereich

Fibonacci-Folge

0, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144

Standard für die meisten Teams

Cohn-Skala

0, 0.5, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 20, 40, 100

Angepasste Variante mit feinerer Abstufung

T-Shirt-Größen

XS, S, M, L, XL, XXL

Schnelle Grobschätzung ohne Zahlenwerte

Diese Zahlen stehen dabei für sogenannte Story Points. Wenn also ein Teilnehmer eine 2 auswählt, bedeutet dies, dass die Aufgabe mit 2 Story Points eingeschätzt wird.

Die Fibonacci-Folge eignet sich aus zwei Gründen besonders gut für Planning Poker:

  • Je größer Zahlen werden, desto unwichtiger wird eine genaue Einschätzung. Ob eine Aufgabe jetzt mit 70 oder 73 bewertet wird, spielt in der Regel keine Rolle. Zudem ist hier eine genaue Unterscheidung sehr schwierig.

  • Hingegen ist bei kleinen Zahlen eine genaue Unterscheidung wesentlich einfacher. Eine Aufgabe, die mit 3 bewertet wurde, ist demnach dreimal so aufwendig wie eine Aufgabe, die mit 1 bewertet wurde.

Somit eignet sich die Fibonacci-Folge ideal für das Planning Poker. Die Zahlen haben dabei in der Regel folgende Bewertung:

  • 0: Diese Zahl gibt an, dass die Aufgabe bereits erledigt wurde.

  • 1-5: Diese Zahlen geben an, dass es sich um kleine Aufgaben handelt.

  • 8-13: Dabei handelt es sich um mittlere Aufgaben, die jedoch immer noch in einem Sprint durchgeführt werden können.

  • 21-89: Dabei handelt es sich um große Aufgaben, die auf mehrere Sprints aufgeteilt werden müssen.

  • 144: Bei dieser Zahl handelt es sich um eine umfangreiche Aufgabe wie etwa ein Epic. Der genaue Aufwand lässt sich ohne weitere Informationen noch nicht exakt einschätzen.

Die 2 Zusatzkarten

Neben den Zahlenkarten gibt es noch zwei Sonderkarten, die ebenfalls wichtig für das Spiel sind.

  • Kaffee: Die Karte mit der Kaffeetasse gibt an, dass der Teilnehmer eine Pause vorschlägt. Planning Poker Meetings können oft länger dauern, als ursprünglich geplant. Es ist daher wichtig, dass die Beteiligten eine Pause vorschlagen können.

  • Fragezeichen: Die Karte mit dem Fragezeichen wird dann verwendet, wenn Unsicherheit herrscht. Diese Teilnehmer können oder wollen ohne weitere Informationen keine Schätzung abgeben. In diesem Fall ist es wichtig, noch einmal die Details der Aufgabe abzuklären, bevor eine weitere Schätzrunde erfolgt.

Wie funktioniert Planning Poker?

Für den Ablauf benötigt es neben den Teilnehmern und den Kartensets auch einen Moderator. Im Scrum übernimmt dies in der Regel der Scrum Master. Jedoch kann auch der Projektleiter oder der Product Owner diese Aufgabe übernehmen.

Allgemein funktioniert Planning Poker folgendermaßen:

  • Der Moderator nennt jeweils eine einzelne Aufgabe und erklärt diese, wenn dies von den Teilnehmern gefordert wird.

  • Anschließend schätzt jeder Teilnehmer individuell den Aufwand der User Story bzw. der Anforderung und wählt eine dazu passende Karte. Die Planning Poker Karten werden vorerst noch verdeckt auf dem Tisch platziert.

  • Sobald alle Teilnehmer eine Schätzung abgegeben haben, werden die Karten gemeinsam umgedreht.

  • Nun sind alle Karten sichtbar auf dem Tisch. Die Teilnehmer mit der höchsten und niedrigsten Schätzung für die jeweiligen User Stories können nun über Ihre Wahl diskutieren.

Diese Teilnehmer besprechen den Arbeitsaufwand näher und können sich idealerweise auf einen gemeinsamen Wert einigen. Gibt es keine Einigung, wird eine neue Schätzrunde mit allen Teilnehmern durchgeführt.

Wenn es auch nach mehreren Runden keine klare Einigung gibt, kann der Moderator die Schätzung der Aufgabe verschieben und zur nächsten Aufgabe übergehen. Dadurch wird sichergestellt, dass das Planning Poker Meeting nicht zu lange dauert und auch Fortschritte verzeichnet werden.

Woher bekomme ich die Karten?

Um Planning Poker richtig spielen zu können, benötigen Sie natürlich auch die dazugehörigen Karten. Hier gibt es insgesamt zwei Möglichkeiten, die Ihnen zur Verfügung stehen:

  • Karten selber ausdrucken: Im Internet finden sich zahlreiche Vorlagen für Planning Poker Karten. Diese können Sie einfach ausdrucken und dann verwenden. Alternativ könnten Sie auch selber Karten zurechtschneiden und beschriften.

  • Online spielen: Zudem gibt es auch die Möglichkeit, ein Online-Tool zu nutzen. Beispiele hierfür sind etwa Planning Poker Online.

Welche Vor- und Nachteile hat Planning Poker?

Planning Poker hat klare Vorteile, bringt aber auch einige Herausforderungen mit sich.

Vorteile von Planning Poker

  • Bessere Kommunikation: Durch die Diskussion können die Mitglieder des Entwicklungsteams ihre unterschiedlichen Perspektiven miteinander teilen. Dies fördert nicht nur ein gemeinsames Verständnis, sondern verbessert auch die spätere Zusammenarbeit.

  • Kein Gruppenzwang: Im Gegensatz zu vielen anderen Methoden, wie Brainstorming, herrscht im Planning Poker kein Gruppenzwang. Jeder Teilnehmer gibt seine Schätzung individuell ab.

  • Mehr Transparenz: Die Diskussionen führen dazu, dass verschiedene Aspekte einer Aufgabe und deren Aufwand betrachtet werden. Dies kann die spätere Problemlösung und Planung deutlich verbessern.

Nachteile von Planning Poker

  • Hoher Zeitaufwand: Insbesondere bei großen Aufgaben kann Planning Poker zeitintensiv sein. Die Diskussionen können sich stark in die Länge ziehen, vor allem dann, wenn ein Moderator fehlt.

  • Subjektive Einschätzung: Trotz der gemeinsamen Diskussionen bleiben die Schätzungen subjektiv. Denn diese basieren auf den individuellen Erfahrungen der Teilnehmer.

  • Schwierig für Anfänger: Unerfahrene Teams könnten Schwierigkeiten damit haben, Planning Poker effektiv umzusetzen. Dies kann den Erfolg dieser Methode wesentlich beeinflussen.

Ein gutes Beispiel für die Vorteile strukturierter Teamzusammenarbeit liefert Lucid. Das Unternehmen stand vor der Herausforderung, dass Kommunikation und Planung über vier verschiedene Plattformen verteilt waren. Durch die Einführung von Asana als zentrale Work-Management-Plattform konnte Lucid die Zusammenarbeit konsolidieren und Projektübergaben deutlich beschleunigen. Erfahren Sie, wie Asana auch Ihr Team unterstützen kann: Vereinbaren Sie eine Demo.

Wann ist Planning Poker sinnvoll?

Planning Poker eignet sich besonders gut für Teams, die regelmäßig neue Aufgaben planen und priorisieren müssen. Doch nicht in jeder Situation ist die Methode die beste Wahl.

Ideal geeignet für:

  • Sprint Planning im Scrum: Wenn das Team User Stories aus dem Backlog für den nächsten Sprint schätzen muss.

  • Neue Projekte: Wenn noch wenig Erfahrungswerte vorliegen und verschiedene Perspektiven besonders wertvoll sind.

  • Komplexe Aufgaben: Wenn der Aufwand nicht sofort ersichtlich ist und eine Diskussion das Verständnis fördert.

Weniger geeignet für:

  • Sehr große Backlogs: Bei mehr als 20 Aufgaben pro Sitzung wird Planning Poker zeitaufwendig. Hier bieten sich Methoden wie T-Shirt Sizing oder Magic Estimation an.

  • Routineaufgaben: Wiederkehrende Aufgaben mit bekanntem Aufwand benötigen keine ausführliche Schätzrunde.

  • Sehr kleine Teams: Bei weniger als drei Teilnehmern fehlt die Vielfalt der Perspektiven, die Planning Poker wertvoll macht.

Tipps für erfolgreiches Planning Poker

Mit diesen Tipps holen Sie mehr aus Ihren Planning Poker Sitzungen heraus:

  • Aufgaben vorab vorbereiten: Stellen Sie sicher, dass alle Teilnehmer die zu schätzenden Aufgaben vor dem Meeting kennen. So starten Sie direkt mit fundierten Einschätzungen.

  • Referenzaufgabe festlegen: Einigen Sie sich zu Beginn auf eine Referenzaufgabe mit einem festen Story-Point-Wert. Alle weiteren Schätzungen orientieren sich daran.

  • Zeitlimit pro Aufgabe setzen: Begrenzen Sie die Diskussion auf maximal fünf Minuten pro Aufgabe. Gibt es keine Einigung, verschieben Sie die Schätzung.

  • Moderator klar benennen: Ein erfahrener Moderator hält die Diskussion fokussiert und verhindert, dass einzelne Personen die Schätzung dominieren.

  • Online-Tools für verteilte Teams nutzen: Für Remote-Teams eignen sich digitale Planning Poker Tools, die den Ablauf strukturieren. In Kombination mit einer Work-Management-Software können Sie Schätzungen direkt mit Ihren Projektaufgaben verknüpfen.

Planning Poker gezielt einsetzen und Teamarbeit verbessern

Planning Poker verbindet strukturierte Aufwandsschätzung mit offener Teamkommunikation. Wenn Sie die Methode richtig einsetzen, profitieren Sie von realistischeren Schätzungen, einem gemeinsamen Aufgabenverständnis und einer stärkeren Zusammenarbeit im Team. Der Schlüssel liegt in einer guten Vorbereitung, klaren Regeln und einem erfahrenen Moderator. Nutzen Sie Asana kostenlos, um Ihre Aufgaben und Schätzungen an einem Ort zu organisieren und die Zusammenarbeit im Team zu verbessern.

Häufig gestellte Fragen zu Planning Poker

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