Ishikawa Diagramm: Fishbone, 4M–8M, Beispiel & Leitfaden

Philipp Steubel – PortraitPhilipp Steubel
21. April 2026
7 Lesezeit (Minuten)
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Zusammenfassung

Das Ishikawa-Diagramm, auch Fischgräten- oder Ursache-Wirkungs-Diagramm genannt, ist ein bewährtes Werkzeug zur strukturierten Problemanalyse. Es hilft Teams, mögliche Ursachen zu visualisieren und systematisch zu untersuchen. Erfahren Sie, wie Sie ein Ishikawa-Diagramm erstellen, welche M-Methoden es gibt und wann sich der Einsatz besonders lohnt.

Probleme treten in der Berufswelt immer wieder auf. Egal ob im Projektmanagement oder in einzelnen Unternehmensbereichen: Wenn es ein Problem gibt, muss eine Lösung gefunden werden! Dies klingt natürlich in der Theorie sehr einfach, doch in der Praxis erweist sich dies oft als schwierig.

Denn nicht immer kann ein Problem auf einen einzelnen Faktor zurückgeführt werden. Man muss die Situation in einem größeren Zusammenhang betrachten, die verschiedenen Ursachen analysieren und daraus ergehend eine Lösung finden. Um diesen Prozess so einfach wie möglich zu gestalten, wurde das Ishikawa-Diagramm erfunden.

Mit diesem Modell werden die verschiedenen Ursachen näher veranschaulicht, sodass Sie selbst bei komplexen Problemen einen Überblick bekommen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie ein Ishikawa-Diagramm aufgebaut wird, wie Sie eines erstellen und welche Tipps Ihnen dabei helfen.

Was versteht man unter Ishikawa-Diagramm?

Das Ishikawa-Diagramm ist ein visuelles Werkzeug zur Ursachenanalyse, das 1943 vom japanischen Chemiker Kaoru Ishikawa entwickelt wurde. Es stellt den Zusammenhang zwischen einem Problem und seinen möglichen Ursachen grafisch dar. Andere Bezeichnungen sind Ursache-Wirkungs-Diagramm, Fischgrätendiagramm oder Fishbone Diagram.

Der Name „Fischgrätendiagramm" leitet sich vom Aufbau ab: Jede Gräte steht für eine Kategorie möglicher Ursachen. So lassen sich nicht nur einzelne Faktoren analysieren, sondern auch deren Wechselwirkungen verstehen.

Aufbau des Ishikawa-Diagramms: die Fischgräte verstehen

Ein Ishikawa-Diagramm besteht aus vier festen Bausteinen: dem Problem im Fischkopf, der Hauptachse, den Hauptgräten für die Ursachenkategorien und den Nebengräten für einzelne Einflussfaktoren.

Diese Struktur hilft Ihnen, mögliche Ursachen geordnet zu erfassen, statt nur lose Ideen zu sammeln. So erkennen Sie schneller, ob sich mehrere Einflussfaktoren in einer Kategorie bündeln oder ob das Problem aus mehreren Bereichen zugleich entsteht.

  • Fischkopf: Hier steht das klar formulierte Problem oder der zu erklärende Effekt.

  • Hauptachse: Sie verbindet alle Ursachenkategorien mit dem Problem und bildet das Grundgerüst des Diagramms.

  • Hauptgräten: Sie stehen für die übergeordneten Ursachenkategorien, etwa Mensch, Methode oder Material.

  • Nebengräten: Hier notieren Sie konkrete Einzelursachen, Beobachtungen oder Hinweise innerhalb einer Kategorie.

Je klarer Sie diese Ebenen trennen, desto leichter lässt sich später erkennen, wo Sie zuerst ansetzen sollten.

Die M-Methoden im Überblick: von 4M bis 8M

Die „Gräten" des Fischgräten-Diagramms stehen für verschiedene Kategorien von Ursachen. Diese werden oft als die „M-Methoden" bezeichnet. Je nach Komplexität des Problems können Sie zwischen verschiedenen Modellen wählen.

Die folgende Tabelle zeigt die acht Kategorien und ihre Bedeutung:

Kategorie

Enthalten in

Bedeutung

Mensch

4M, 6M, 8M

Fehlende Erfahrung, mangelnde Kommunikation, menschliche Fehler

Maschine

4M, 6M, 8M

Maschinenausfälle, veraltete Software, technische Defekte

Material

4M, 6M, 8M

Fehlerhafte Bauteile, unvollständige Daten, minderwertige Rohstoffe

Methode

4M, 6M, 8M

Ineffiziente Prozesse, unklare Anweisungen, fehlende Standards

Mitwelt (Umwelt)

6M, 8M

Marktveränderungen, gesetzliche Vorschriften, externe Einflüsse

Management

6M, 8M

Unklare Ziele, mangelnde Ressourcenplanung, Führungsfehler

Messung

8M

Ungenaue Datenerfassung, fehlerhafte Kennzahlen

Money (Finanzen)

8M

Budgetkürzungen, unzureichende Investitionen

Anwendungsbereiche des Ishikawa-Diagramms

Das Ishikawa-Diagramm ist ein vielseitiges Werkzeug, das in zahlreichen Branchen und Abteilungen zur Anwendung kommt. Seine Stärke liegt darin, Teams dabei zu unterstützen, die Ursachen für ein Problem strukturiert zu analysieren. Es eignet sich besonders für Situationen, in denen die Gründe für ein Ergebnis nicht sofort ersichtlich sind.

Typische Anwendungsbereiche sind:

  • Produktentwicklung und Fertigung: Zur Analyse von Produktionsfehlern, Qualitätsproblemen oder Verzögerungen in der Lieferkette.

  • Projektmanagement: Um herauszufinden, warum Projekte ihr Budget überschreiten, Termine verfehlen oder die gesetzten Ziele nicht erreichen.

  • Marketing und Vertrieb: Zur Untersuchung von sinkenden Verkaufszahlen, erfolglosen Kampagnen oder geringer Kundenbindung.

  • IT und Softwareentwicklung: Zur Fehlersuche (Bug-Analyse) oder zur Untersuchung von wiederkehrenden Systemausfällen.

  • Kundenservice: Um die Ursachen für eine hohe Anzahl an Kundenbeschwerden oder lange Wartezeiten zu identifizieren.

Wie macht man ein Ishikawa-Diagramm?

In fünf Schritten erstellen Sie ein vollständiges Ishikawa-Diagramm. Sie benötigen lediglich ein Whiteboard, Flipchart oder großes Blatt Papier, und idealerweise Ihr Team.

1. Vorlage erstellen

So zeichnen Sie die Grundstruktur:

  • Hauptachse: Zeichnen Sie einen horizontalen Pfeil von links nach rechts.

  • Fischkopf: Platzieren Sie am rechten Ende einen Kreis für das Problem.

  • Gräten: Zeichnen Sie diagonale Linien von der Hauptachse ab, je eine pro Ursachenkategorie (4 bis 8 je nach gewähltem M-Modell).

2. Problem identifizieren

Formulieren Sie das Problem so konkret wie möglich und schreiben Sie es in den Fischkopf. Was genau ist das Problem bzw. das Ziel? Ein präzise formuliertes Problem führt zu präziseren Ursachen.

3. Ursachen analysieren

Analysieren Sie jede Kategorie und sammeln Sie so viele mögliche Ursachen wie möglich. Dieser Schritt funktioniert am besten im Team.

Nutzen Sie dazu ein Meeting oder eine Brainstorming-Session. So betrachten Sie das Problem aus verschiedenen Blickwinkeln und erhöhen die Vollständigkeit Ihrer Analyse.

Hilfreiche Techniken für die Ursachensammlung:

  • 5-Warum-Methode: Fragen Sie bei jeder Ursache fünfmal „Warum?", um tieferliegende Gründe aufzudecken.

  • Perspektivenwechsel: Lassen Sie verschiedene Abteilungen oder Rollen ihre Sicht einbringen.

  • Stille Ideensammlung: Jeder notiert zunächst Ursachen für sich, bevor die Gruppe diskutiert.

Kostenlose Vorlage für Team-Brainstormings

Es kann in diesem Schritt auch sehr hilfreich sein, wenn Sie die verschiedenen Ursachen miteinander verbinden. Nehmen wir dazu ein einfaches Ishikawa-Diagramm Beispiel:

  1. Während Ihrer Brainstorming-Session sind Sie zum Entschluss gekommen, dass eine mögliche Ursache für das Problem die fehlenden finanziellen Mittel sind. Dies notieren Sie bei der Gräte "Money".

  2. Der Grund für die fehlenden Mittel liegt darin, dass die Maschinen in den letzten Monaten einen höheren Verschleiß haben, dies notieren Sie bei "Maschine".

  3. Sie würden gerne notwendige Reparaturen durchführen, damit die Maschinen wieder einwandfrei laufen, bekommen jedoch nicht die notwendige Unterstützung von den oberen Führungsebenen. Diese betrachten die Reparatur nicht als wichtig und geben Ihnen keine finanziellen Mittel dafür. Dies können Sie sowohl bei "Management" als auch bei "Money" notieren.

Wie Sie eindeutig sehen, können die verschiedenen Ursachen stark miteinander verbunden sein. Dies im Ishikawa-Diagramm zu notieren kann sehr hilfreich sein, um ein besseres Verständnis für das Gesamtbild zu bekommen.

4. Ursachen kategorisieren

Im nächsten Schritt sollten Sie die verschiedenen Ursachen nach ihrer Wirkung bewerten. Hierzu können verschiedene Kreativitätstechniken zum Einsatz kommen, wie etwa die ABC-Analyse. Kategorie A bedeutet einen starken Einfluss, Kategorie C einen sehr geringen Einfluss. Dies kann im späteren Verlauf helfen, damit Sie an den Haupteinflussgrößen zuerst arbeiten.

5. Vollständigkeit überprüfen

Das Ishikawa-Diagramm kann nur dann richtig funktionieren, wenn alle Ursachen aufgeschrieben wurden. Dazu ist es hilfreich, wenn Sie noch einmal einen zweiten Blick auf das Diagramm werfen. Vielleicht auch erst ein paar Tage später.

Ishikawa-Diagramm: ein praktisches Beispiel

Stellen Sie sich vor, ein Marketingteam stellt fest, dass die „Anmeldequote für ein Webinar niedrig" ist. Das Team beschließt, ein Ishikawa-Diagramm zu verwenden, um die Ursachen zu finden.

  • Problem (Fischkopf): Niedrige Anmeldequote für das Webinar.

Nun sammelt das Team mögliche Ursachen für jede der M-Kategorien:

  • Mensch: Die Zielgruppe wurde nicht präzise genug definiert; der Vertrieb hat die Einladungen nicht aktiv weiterverfolgt.

  • Methode: Der Anmeldeprozess ist zu kompliziert (zu viele Felder); die Werbekanäle (z. B. Social Media, Newsletter) wurden nicht optimal genutzt.

  • Material (hier: Inhalte): Das Webinarthema ist für die Zielgruppe nicht relevant genug; die Einladungstexte sind nicht überzeugend.

  • Maschine (hier: Tools): Die Landingpage lädt zu langsam; die Anmelde-Software hatte technische Probleme.

  • Mitwelt: Ein Wettbewerber veranstaltet zur gleichen Zeit ein ähnliches Webinar; es sind gerade Ferien.

  • Management: Das Werbebudget wurde kurzfristig gekürzt; die Ziele für die Kampagne waren unklar.

Durch diese Visualisierung erkennt das Team, dass die Hauptursachen wahrscheinlich ein zu komplizierter Anmeldeprozess und ein wenig attraktives Thema sind. Darauf basierend können sie gezielte Maßnahmen entwickeln.

Wie eine solche strukturierte Analyse in der Praxis zur Verbesserung von Zusammenarbeit und Transparenz führen kann, zeigt das Beispiel von Lucid, dem Unternehmen hinter Lucidchart und Lucidspark. Lucid koordinierte Projekte über vier verschiedene Plattformen gleichzeitig. Unklare Zuständigkeiten und langsame Übergaben waren die Folge. Nach der Konsolidierung aller Arbeitsabläufe in Asana verknüpfte das Team sämtliche Projekte mit unternehmensweiten Zielen und OKRs. Das Ergebnis war eine deutlich bessere Abstimmung zwischen den Teams. Außerdem brachte Lucid ein neues Produkt, Lucidspark, in nur vier Monaten auf den Markt. Möchten Sie ähnliche Ergebnisse in Ihrem Team erzielen? Erfahren Sie, wie Asana Ihr Projektmanagement unterstützt.

Vor- und Nachteile des Ishikawa-Diagramms

Wie jede Methode hat auch das Ishikawa-Diagramm seine Stärken und Schwächen. Eine Abwägung hilft Ihnen zu entscheiden, ob es das richtige Werkzeug für Ihre Situation ist.

Vorteile

  • Grafische Darstellung: Komplexe Zusammenhänge werden einfach und verständlich visualisiert. Das hilft, den Überblick zu behalten.

  • Einfache Anwendung: Das Diagramm lässt sich ohne spezielle Software schnell auf einem Whiteboard oder Flipchart erstellen.

  • Fördert die Zusammenarbeit: Die Methode eignet sich hervorragend für Brainstorming-Sitzungen im Team und stellt sicher, dass verschiedene Perspektiven berücksichtigt werden.

Nachteile

  • Potenzielle Unübersichtlichkeit: Bei sehr komplexen Problemen mit vielen Ursachen kann das Diagramm schnell unübersichtlich werden.

  • Keine Gewichtung: Alle Ursachen werden zunächst gleichrangig dargestellt. Die Priorisierung der wahrscheinlichsten Ursachen muss in einem separaten Schritt erfolgen.

  • Vereinfachte Darstellung: Wechselwirkungen und Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Ursachenästen können nur schwer abgebildet werden.

Tipps für ein gelungenes Ishikawa-Diagramm

Damit Sie mit dem Ishikawa-Diagramm die bestmöglichen Ergebnisse erzielen, haben wir hier einige Tipps für Sie zusammengestellt:

  • Problem konkret beschreiben: Formulieren Sie das Problem so präzise wie möglich. Ein vages Problem führt zu vagen Ursachen. Statt „schlechter Kundenservice" sagen Sie besser „Anstieg der durchschnittlichen Antwortzeit auf Kundenanfragen um 20 % im letzten Quartal".

  • Übersicht behalten: Es ist wichtig, viele Ursachen zu finden, aber verzetteln Sie sich nicht in zu kleinen Details. Konzentrieren Sie sich auf die wesentlichen Faktoren, um das Diagramm klar und handhabbar zu halten.

  • Kategorien anpassen: Die 8M-Methode ist ein Vorschlag. Wenn eine Kategorie wie „Maschinen" für Ihr Problem nicht relevant ist, lassen Sie sie weg oder ersetzen Sie sie durch eine passendere, wie zum Beispiel „Software" oder „Partner".

Von der Ursachenanalyse zur Umsetzung mit Asana

Ein Ishikawa-Diagramm verschafft Ihrem Team Klarheit darüber, welche Faktoren ein Problem verursachen. Doch die Analyse allein löst noch nichts, entscheidend ist, dass die identifizierten Ursachen in konkrete Maßnahmen münden, die auch tatsächlich umgesetzt werden.

Genau hier setzt Asana an: Sie erfassen abgeleitete Aufgaben direkt in der Plattform, weisen Verantwortlichkeiten zu und verbinden Verbesserungen mit Ihren übergeordneten Zielen. So bleibt kein Ergebnis Ihrer Ishikawa-Analyse unbearbeitet.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt das Beispiel von Lucid, dem Unternehmen hinter Lucidchart und Lucidspark. Lucid koordinierte Projekte über vier verschiedene Plattformen, die fehlende Übersicht führte zu unklaren Zuständigkeiten und langsamen Übergaben.

Nachdem Lucid seine Arbeitsabläufe in Asana konsolidierte, verknüpfte das Team alle Projekte mit unternehmensweiten Zielen und OKRs. Das Ergebnis: bessere Abstimmung, klarere Verantwortlichkeiten und ein neues Produkt, Lucidspark, in nur vier Monaten. Ob Sie Ursachen mit einem Ishikawa-Diagramm aufdecken oder Verbesserungen nach einer Prozessanalyse umsetzen: Asana sorgt dafür, dass aus Erkenntnissen koordinierte Maßnahmen werden. Legen Sie noch heute los.

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Häufig gestellte Fragen zum Ishikawa-Diagramm

Was ist die 5M-Methode?

Die 5M-Methode ist eine Variante des Ishikawa-Diagramms mit fünf Ursachenkategorien: Mensch, Maschine, Material, Methode und Messung. Sie eignet sich besonders für produzierende Unternehmen, die mit einem überschaubaren Kategorienset die häufigsten Fehlerquellen untersuchen möchten.

Was sind die 7 M-Faktoren im Ishikawa-Diagramm?

Die sieben M-Faktoren sind Mensch, Maschine, Material, Methode, Messung, Mitwelt (Umwelt) und Management. Dieses erweiterte Modell berücksichtigt auch Führungsentscheidungen und externe Einflüsse, was eine umfassendere Ursachenanalyse ermöglicht.

Was ist der Unterschied zwischen primären und sekundären Ursachen?

Primäre Ursachen sind die Hauptkategorien auf den Gräten des Diagramms, etwa Mensch oder Methode. Sekundäre Ursachen sind konkretere Einflussfaktoren innerhalb dieser Kategorien, die als Nebengräten dargestellt werden, zum Beispiel „fehlende Schulung" unter der Kategorie „Mensch".

Welche Kreativitätstechniken eignen sich für die Ishikawa-Analyse?

Brainstorming-Sitzungen im Team sind die gängigste Methode, um mögliche Ursachen zu sammeln. Ergänzend können Sie die 5-Warum-Methode nutzen, um Ursachen tiefer zu hinterfragen, oder eine ABC-Analyse, um die gesammelten Ursachen nach ihrem Einfluss zu priorisieren.

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